Designery - Agentur für Praxismarketing - wir beantworten Fragen zum HWG (Heilmittelwerbegesetz)

HWG: Ärzte dürfen oft mehr, als sie glauben (© Shutterstock.com/Jacob Lund/Twin Design)

 

Fragen und Antworten zum HWG (Heilmittelwerbegesetz)

Bereits seit Herbst 2012 ist das überarbeitete Heilmittelwerbegesetz (HWG) in Kraft, dass die Werbung für Ärzte und Zahnärzte deutlich vereinfacht hat. In unseren Gesprächen mit Ärzten und Zahnärzten werden uns jedoch immer wieder Fragen dazu gestellt – dabei ist viel mehr erlaubt, als die meisten annehmen.

Darf man Fotos von Behandlungssituationen zeigen?

Eine Darstellung des Arztes oder einer Mitarbeiterin bei einer Behandlung ist grundsätzlich erlaubt. Es darf für Verfahren und Behandlungen nur dann nicht mit einer bildlichen Darstellung geworben werden, wenn diese „in missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise Veränderungen des menschlichen Körpers auf Grund von Krankheiten oder Schädigungen oder die Wirkung eines Arzneimittels im menschlichen Körper oder in Körperteilen verwendet“ (§ 11 Absatz 1 Nr. 5 HWG).

Sind Vorher/Nachher-Fotos erlaubt?

Vorher/Nachher-Fotos sind zulässig, solange dies nicht in „missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise“ geschieht. Was zum Beispiel als abstoßend gilt, ist nicht klar definiert. Wir empfehlen grundsätzlich nicht mit Abschreckung und Vergleichen zu arbeiten, sondern mit positiven Emotionen. Bei Leistungen wie dem Bleaching bieten sich Vergleiche an – extremere Vorher/Nachher-Fotos könnten den Patienten abschrecken.

Ausgenommen von dieser Regelung sind operative plastisch-chirurgische Eingriffe – hier sind Vorher/Nachher-Fotos weiterhin untersagt (§ 11 Absatz 1).

Empfehlungsmarketing auf eigener Webseite nutzen?

Empfehlungsmarketing sind Äußerungen Dritter, wie Dank-, Anerkennungs- und Empfehlungsschreiben. Diese dürfen genutzt werden, solange dies nicht in „missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise“ erfolgt (§ 11 Absatz 1 Nr. 11).

Darf man Zeugnisse, wissenschaftlichen Tätigkeiten und Gutachten zu Werbezwecken nutzen?

Der Paragraf 11 Absatz 1 Nr. 1 HWG, nach dem Ärzte nicht mit Zeugnissen, Gutachten und Fachveröffentlichungen für sich werben durften, entfällt. Hat ein Arzt ein wissenschaftliches Buch über Kinderzahnheilkunde geschrieben, kann dieses dem Patienten in der Patienteninformation nun auch vorgestellt werden.

Das ist weiterhin im Rahmen des HWG nicht erlaubt:

  • Werbung durch Angstmacherei
  • Krankheitsgeschichten, die zu einer falschen Selbstdiagnose verleiten könnten
  • Werbemaßnahmen, die sich ausschließlich oder überwiegend an Kinder unter 14 Jahren richten

Ärzten ist im Bereich Praxismarketing einiges erlaubt – solange es nicht irreführend, abstoßend oder missbräuchlich ist. Irreführende Werbung (§ 3 Absatz 1 bis 3) wäre zum Beispiel, einen sicheren Behandlungserfolg zu versprechen, eine nicht vorhandene Wirkung zu bewerben oder über die Zusammensetzung von Arzneimitteln zu täuschen.

Für Ärzte und Zahnärzte lohnt es sich also, das eigene Praxismarketing zu überprüfen und dem neuen HWG anzupassen.

2018-08-11T07:42:43+00:00